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Das Lohgerberhaus wurde vom Balver Lohgerber Matthäus Berken nach dem Stadtbrand 1789 auf dem früheren Stadtgraben erbaut. Es war ursprünglich ein zweigeschossiges Traufenhaus mit Längsdeele und Wohntrakt im hinteren Teil.  

Das Untergeschoß ist massiv erbaut, das Obergeschoß aus Fachwerk wurde an der Traufenseite verschiefert. Die Giebelseite ist mit Kopfwinkelhölzern und Fußstreben ausgestattet. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude etwas erhöht und mit neuen Fachwerkgiebeln versehen.  

Die Alte Gerichtsstraße in den 30er-Jahren

Dieses Foto aus dem "Balver Buch" von 1930 ist undatiert. Es zeigt die Alte Gerichtsstraße ohne Kanalisation, mit aufgestellten Milchkannen. Auf dem Vorplatz vor dem Lohgerberhaus findet sich ein großer Misthaufen.

Auf dem Foto fehlt noch das Fenster über dem Schmuckbalken des Deelentors, das später zu Wohnzwecken eingebaut wurde. Eine bauliche Maßnahme, die großen Schaden anrichtete.  

Restaurierung Deelentor

Durch den nicht fachgerechten Einbau des Fensters in der Nachkriegszeit, direkt über dem Schmuckbalken, wurde dieser stark beschädigt. Er musste um 2010 aufwendig gesichert und die Fassade saniert werden (fachliche Betreuung: Dr. Uwe Bathe, Engelskirchen). Bewertung in Auszügen "Historische Inschrift am Sturzbalken mit Farbfassungsresten, gut erhalten waren die rotbraunen Farbreste einer frühen Farbgebung des Balkenwerks. Die im Streiflicht besser erkennbaren Schriftlettern gehören zu einer Inschrift die früh, wenn nicht sogar beim oder kurz nach dem Einbau des Balkens bereits abgearbeitet wurde. Die erhaltenen Schriftkürzel weisen wohl auf den Namen ‚Kaspar Schulte‘. Die Quellen belegen jedoch, dass 1790 beim Wiederaufbau des Hauses der Name des Bauherrn Johannes Matthäus Berken lautet. Der Sachverhalt der "falschen" Inschrift lässt sich nicht schlüssig erklären. Des Weiteren sei am unteren rechten Bildrand auf die fein ziselierte Ornamentik der kreisrunden Blattreihe hingewiesen, die stilistisch ihre Parallele am historischen Eingangsportal des Hauses an der Südseite findet". Siehe auch Bericht in der WP vom 07.07.2010: Wenn alte Balken neue Rätsel aufwerfen.

Zustand zu Beginn der Sanierung 1983/84

Viele Balver werden sich noch an den Zustand des Hauses um 1980 erinnern. Hier zu Beginn der Sanierungsarbeiten

Um 1980 war der Abriss der beiden Häuser Alte Gerichtsstraße 9 und 10 vom Stadtrat beschlossene Sache und so gut wie sicher. Geplant war eine verkehrsgerechte Anbindung in Richtung Wohngebiet Darloh, unter Beseitigung des Engpasses am Ende der Alten Gerichtsstraße. Das Lohgerberhaus stand dabei schlicht "im Weg".

Es befand sich in der Tat in einem Zustand, der eine Erhaltung und Restaurierung nicht gerade nahe legte. Durch eigene denkmalschützerische Bemühungen und ein von der Eigentümerin angeregtes "Wohnumfeldprogramm" konnte der Abriss beider Häuser verhindert werden.

Bei der Renovierung der Häuser Alte Gerichtsstraße 9 und 10 ab dem Jahr 1983/84 fanden sich im Lohgerberhaus drei Brunnen, die zu früheren Zeiten die Lohger­berei versorgten. 

Aus der Zeit des 1789 abgebrannten Vorgängergebäudes an gleicher Stelle findet sich unter dem heutigen Boden ein weitgehend erhaltenes Deelenpflaster im ortsüblichen Fischgrätmuster. 

Begründung für die Unterschutzstellung (Denkmalschutz) 

Das Objekt befindet sich in innerstädtischer Umgebung. Das zweigeschossige Langdeelenhaus liegt mit der Traufe zur Straße. Das Untergeschoß ist in Massivbauweise errichtet, das Obergeschoß hingegen in Fachwerk, das auf den Traufenseiten verschiefert ist. Das Haus wurde bald nach dem Stadtbrand wie bezeichnet 1790 aus schweren Eichenbalken errichtet und erhielt wohl im 19. Jh. einen neuen Dachstuhl mit neuem Fachwerkgiebel aus schmaleren Nadelhölzern. 

Aus dem älteren Bestand der frühklassizistischen Phase zeigt die Schaugiebelseite noch Kopfwinkelhölzer und Fußstreben. Das nach dem Gewerbe seines Bauherrn Johann Matthäus Berken sogenannte Lohgerberhaus besteht aus zwei ursprünglich selbständigen Bauteilen, einem alten Steinwerk, in das in üblicher Weise ein auch heute noch erhaltener Teil der Stadtmauer als Westwand einbezogen war, und einem Ackerbürgerhaus. 

Beide wurden beim großen Stadtbrand von 1789 zerstört und auf einem gemeinsamen Grundriß wiedererrichtet. Dabei wurde das Steinwerk, der neue Wohnteil, über die Stadtmauer hinaus auf den zu diesem Zweck trockengelegten Stadtgraben hinaus erweitert, das frühere Ackerbürgerhaus, der neue Wirtschaftteil, nach Osten entsprechend verkürzt und seine Hauptachse leicht verschoben. 

Die Achse des ursprünglichen Ostteils ließ sich aus dem vorübergehend freigelegten, im Fischgrätenmuster gepflasterten Tennenboden erschließen, der 30 cm unter dem neuen ebenfalls als Fischgrätpflaster ausgeführten Tennenboden erhalten ist.   

 

Befundbericht und Maßnahmen 2010

Auszüge aus dem Bericht von Dr. Bathe: 

Die Befunduntersuchung konzentrierte sich auf die zur Stadtseite gewandte repräsentative Ostfassade mit dem prominenten Deelentor. Die bereits durch Eigenleistung des Eigentümers begonnene Freilegung des Balkenwerks brachte im verzierten Sturzbalken des Portals Schriftzüge zum Vorschein. Schriftform und  Größe (14 cm hoch) stimmen mit den Schriften auf den beiden seitlichen Portalpfosten  überein, ergeben jedoch keinen eindeutigen Sinnbezug. Zudem scheinen die nunmehr  freigelegten Schriftzüge bei früher Maßnahme flächig abgearbeitet worden zu sein. Sie  heben sich im Gegensatz zu den gut erkennbaren seitlichen Buchstaben nur sehr geringfügig  vom Untergrund ab. Das Fachwerk selbst wurde aus zwei unterschiedlichen Holzarten erbaut, das Obergeschoß  aus Eiche, der Giebel aus Nadelhölzern. Die Balken wurden letztmalig mit einem dispergierten schwarzen Holzschutzanstrich versehen. Unter dieser Farbschicht traten Reste einer Grünfassung zum Vorschein, die wiederum auf schwarze teerhaltige Fassungsschichten  lagen. Unter diesen Farbauftrag konnte an nahezu allen Holzbauteilen eine frühe rotbraune  Farbfassung festgestellt werden. Die Buchstabenziffern auf den Pfosten wie auch die flach geschnitzte Blattornamentik  zeigten Reste weißer Farbfassungen. Der Rundstab zeigt unter anderem eine Ockerfassung  die sehr wahrscheinlich zur Rotbraunfassung gehört (verifizierter Duktus). Die verschiedenen Farbfassungsreste sind aber zu sehr gestört um klare Aussage über früher  zusammenhängende Farbfassungssysteme zu machen. 

  

Aufgrund der festgestellten Bauschäden und bei früheren Maßnahmen fehlerhaft verwendeten Bau- und Farbmaterialien empfehlen wir folgende Maßnahmen:  

Abtragen und Entsorgen der mürben Putzschichten der Gefache

Holzbündiges Verputzen der Gefache. Wegen der größeren Elastizität, Witterungsbeständigkeit und Dampfdurchlässigkeit ist ein Kalkmörtel zu bevorzugen. 

Weißer Anstrich der Ausfachungen mit Mineralfarbe (wie KEIM Granital oder Soldalit) 

Holzwerk: Schadhafte Altanstriche entfernen 

Reinigen und Säubern des Holzwerks, entfernen loser Holzteile 

morsches oder angewittertes Holz mit leinölhaltigen Substanzen festigen (Owatrolöl). 

 

 

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